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So vermeiden Sie schlechte digitale Gewohnheiten am Arbeitsplatz und sorgen dafür dass Mitarbeiter im Homeoffice gesund und zufrieden sind

Rex Fan, Lead Behavioural Insights Advisor bei Bupa UK, spricht mit uns über schädliche digitale Gewohnheiten, die wir am Arbeitsplatz vermeiden sollten, um eine gesunde Work-Life-Balance und mentales Wohlbefinden zu fördern.

Von Subarna Ganguly, Autoren

Veröffentlicht 22. Juli 2022
Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2022

Man könnte meinen, dass flexiblere Arbeitsbedingungen Arbeitnehmern ausschließlich Vorteile bringen. So haben sie etwa die Möglichkeit, zeitweise von einem anderen Ort aus zu arbeiten. Außerdem sind sie flexibel. Sie können den Tag mit Frühsport oder einem Kaffee im Sonnenschein beginnen – anstatt in der Bahn wie eine Sardine zwischen schwitzenden Pendlern eingeklemmt zu sein. Oder sie machen früher Schluss, um das Klavierkonzert ihres Kindes mitzuerleben. Einfach großartig.

Doch obwohl die Arbeit im Homeoffice zahlreiche Vorteile bietet, kann es auch passieren, dass Arbeitnehmer ungesunde Arbeitsgewohnheiten entwickeln – ein Umstand, der sich wiederum negativ auf ihre Arbeitsplatzkultur und ihr Wohlbefinden auswirken kann.

Die Pandemie hat in manchen Branchen den Wandel hin zu hybriden oder vollständig remoten Arbeitsformen und die verstärkte Nutzung digitaler Kommunikationsmittel beschleunigt. Die moderne Technologie hilft uns zweifelsohne unsere Arbeitsweise zu verbessern. Sie sorgt dafür, dass wir überall mühelos miteinander in Kontakt treten können und dass Prozesse schneller und effizienter ablaufen. Doch wie bei den meisten Dingen können diese digitalen Kommunikationsmittel auch schnell Schaden anrichten, wenn sie von Unternehmen falsch eingesetzt werden.

Laut dem britischen Gesundheitsunternehmen Bupa ist ein Drittel der Erwachsenen im Vereinigten Königreich der Meinung, dass sich das Arbeiten im Homeoffice negativ auf ihr psychisches Befinden ausgewirkt hat, und fast ein Viertel (23 %) gibt an, dass ihr Selbstvertrauen darunter gelitten hat. Eine Untersuchung von Breathe hat gezeigt, dass eine toxische Arbeitsplatzkultur die britische Wirtschaft jährlich 20,2 Milliarden Pfund kostet. Untersuchungen des Europäischen Parlaments haben festgestellt, dass die Arbeit im Homeoffice zwar viele positive Aspekte wie ein höheres Maß an Autonomie und Flexibilität mit sich bringt, aber auch zu einem „Autonomieparadoxon“ führt, das Stress und Störungen der Work-Life-Balance verursacht.

„Von Videoanrufen bis hin zum Instant Messaging ermöglicht die digitale Technologie Arbeitnehmern zwar, in Verbindung zu bleiben, doch sie schafft auch Probleme, wie z. B. hohe Stressbelastung und schlechte Schlafqualität.“
Rex Fan, Lead Behavioural Insights Advisor, Bupa UK.

Auf Google fanden vermehrt Suchanfragen nach „Anzeichen für einen toxischen Arbeitsplatz“ statt. Welche sind das also? Eine schlechte Unternehmenskultur kann vieles bedeuten, wie z. B. einen mangelhaften Führungsstil, eine schlechte Work-Life-Balance oder eine fehlende Unterstützung des Wohlbefindens.

„Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden innerhalb und außerhalb des Arbeitsplatzes zu achten“, erklärt Rex Fan, Lead Behavioural Insights Advisor für Bupa UK. „Von Videoanrufen bis hin zu Instant Messaging ermöglicht die digitale Technologie Arbeitnehmern zwar, trotz der Entfernung, die durch einen Remote- oder Hybrid-Arbeitsplatz entsteht, in Verbindung zu bleiben. Doch sie schafft auch Probleme, wie etwa hohe Stressbelastung und schlechte Schlafqualität. Um dem entgegenzuwirken, müssen Führungskräfte technologische Grenzen setzen, um zu vermeiden, dass ein Arbeitsplatz toxisch wird, und ihren Beschäftigten die Möglichkeit geben, sich unabhängig von ihrem Arbeitsort wohlzufühlen.“

Laut Fan gibt es allgemein 5 schädliche digitale Gewohnheiten, auf die wir achten und die wir am Arbeitsplatz vermeiden sollten:

1. Immer erreichbar sein

Kommt es oft vor, dass Sie auch außerhalb der Bürozeiten E-Mails senden und empfangen? Ohne festgelegte Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit haben Sie möglicherweise immer ein Auge auf Ihrem Posteingang, wodurch Sie nie völlig abschalten können. Doch Auszeiten sind wichtig, um produktiv arbeiten zu können und Burnout zu vermeiden. Definieren Sie deshalb fixe Arbeits- und Nicht-Arbeitszeiten, indem Sie Pausen in Ihren Arbeitskalender eintragen. Dies zeigt Ihren Kollegen, dass Sie sich regelmäßig Auszeiten nehmen, und ermutigt sie, dasselbe zu tun. Loggen Sie sich am Ende des Arbeitstages von Ihren Arbeitsplattformen aus und planen Sie unmittelbar nach Arbeitsschluss etwas, was Ihnen Spaß macht, damit Sie nicht versucht sind Überstunden zu machen – ein Essen mit Freunden etwa oder eine sportliche Aktivität.

2. Ein unsoziales Arbeitsumfeld

Freundschaften unter der Kollegschaft können die Innovationsfreude, die Zusammenarbeit und das Gefühl der Verbundenheit stärken. Wenn wir jedoch von zu Hause aus arbeiten, kann das soziale Miteinander rasch auf der Strecke bleiben. Da sind unkonventionelle Ideen gefragt, schließlich gibt es zahlreiche Möglichkeiten, soziale Kontakte zu pflegen. So könnten Sie etwa Videoanrufe etwas früher starten, damit diejenigen, die dies wünschen, vor Beginn der Sitzung kurz plaudern können. Oder rufen Sie für Ihr Team einen Club ins Leben. Mögliche Aktivitäten sind ein Mittagspicknick im Park für hybride Arbeitskräfte oder ein Zoom-Kochkurs für diejenigen, die ausschließlich von Zuhause arbeiten.

3. Zu viele Videoanrufe

Videoanrufe können zwar helfen, innerhalb des Remote- oder Hybrid-Teams zu kommunizieren und die Einsamkeit im Homeoffice zu lindern. Wenn sie aber überhandnehmen, können sie auch Stress verursachen. Sich ständig vor der Webcam arbeitsplatzkonform präsentieren zu müssen, kann ermüdend sein. Darüber hinaus erfordern Videoanrufe eine stärkere Anstrengung, um aufmerksam zu bleiben und die nonverbalen Signale der anderen zu entschlüsseln. Wenn Sie sich durch zu viele Videogespräche auslaugt fühlen, sollten Sie mit Ihrem Vorgesetzten über den zusätzlichen Einsatz anderer Formen der Zusammenarbeit sprechen – gemeinsam genutzte Dokumente und reine Audioanrufe sind gute Alternativen.

4. Nicht zu Wort kommen

Ist es oft die lauteste Person, die in Ihren Videokonferenzen ihre Ideen einbringt, während sich ruhigere Mitarbeiter eher zurückhalten, obwohl sie vielleicht gute Ideen hätten? Wenn das in Ihrem Team der Fall ist, sollten Sie dieses Thema ansprechen. Kleine Änderungen können viel bewirken. So könnten Sie beispielsweise Ihren Vorgesetzten bitten, bei Videokonferenzen Team-Chat-Funktionen zu nutzen, sodass jeder die gleiche Chance hat, sich zu Wort zu melden. Eine andere Möglichkeit wäre, kleinere Online-Sitzungen abzuhalten, sodass die Teilnehmer ihre Ideen nicht einer allzu großen Zuhörerschaft präsentieren müssen.

5. Mikromanagement

Wenn Sie den ganzen Tag über mit Instant Messages oder E-Mails von Ihrem Vorgesetzten bombardiert werden, kann das nicht nur ermüdend und stressig sein, sondern auch Ihr Vertrauen schmälern, selbstständig arbeiten zu können. Auch wenn Mikromanagement in einer Remote- oder Hybrid-Arbeitsumgebung leider relativ häufig vorkommt, gibt es Auswege. Sprechen Sie – wenn möglich – offen mit Ihrem Vorgesetzten darüber. Verwenden Sie dabei vorzugsweise Formulierungen wie „Ich fühle mich“ statt „Sie geben mir das Gefühl“. Möglicherweise merkt Ihr Vorgesetzter nicht einmal, was sein Verhalten bei Ihnen bewirkt. Ist er sich dessen aber bewusst, haben Sie die Möglichkeit, einen neuen Arbeitsstil zu entwickeln, der Ihnen beiden passt.

Das Vermeiden schlechter digitaler Gewohnheiten ist entscheidend für gesunde, zufriedene und produktive Mitarbeiter. Die gute Nachricht ist, dass es ein immer stärkeres Bewusstsein dafür gibt, welche Faktoren für eine negative Arbeitsplatzkultur verantwortlich sind. Wenn wir darauf achten und angemessen miteinander kommunizieren, können wir schädliche Praktiken schon im Keim ersticken, bevor sie unser Arbeitsleben und Wohlbefinden beeinträchtigen.

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